Mein Herz gehört seit über 10 Jahren gut gemachten Shoptexten. Ich habe mir das gar nicht bewusst ausgesucht, sondern bin da mehr oder weniger reingeschubst worden. Mittlerweile liebe ich gut gemachte Onlineshoptexte – wer sich hier nicht ausreichend Mühe gibt, der verkauft womöglich das Produkt nicht und lässt das Geld auf der Straße liegen. Zudem habe ich als Shoptexterin niemals Langeweile und arbeite auch nicht alleine vor mich hin in diesem Bereich. Das geht gar nicht. Hier kommen meine Top-Gründe, warum ich Shoptexte einfach liebe!
1. Shoptexte sind extrem vielfältig
Onlineshoptexte sind nicht einfach nur Produkttexte, sondern viel mehr.
Ich arbeite seit 2012 mit und an Shoptexten. Kaum zu glauben, aber ja.
Damals war ich noch in der Online-Marketing-Agentur als Redakteurin in der SEO-Abteilung tätig. Seitdem haben mich die Shoptexte nicht mehr losgelassen.
Wer jetzt denkt, bei Onlineshoptexten geht es nur um den Produkttext, also den Text auf einer Produktdetailseite, der irrt. Es gibt noch mehr Spielwiesen, auf denen ich mich als Texterin für Onlineshops austoben kann:
- Kategorietexte
- Glossare
- Magazintexte/Editorial Content
- FAQs
- SEO-Texte allgemein
- Landingpages
Das ist eine Vielzahl an Textarten, mit denen ich es als Shoptexterin theoretisch zu tun bekommen kann.
2. Ich liebe die Arbeit in einem Shop-CMS
Angefangen hat alles mit der Massenproduktion von Artikeltexten für zwei Kunden in besagter Agentur damals. Witzigerweise habe ich da die Texte nur in HTML geliefert, habe aber tausendfach im Laufe der Jahre die Produkttexte, die wöchentlich geliefert werden mussten, gegengelesen, korrigiert und aufbereitet. In der Agentur haben wir jahrelang WordPress-Versuchsseiten selbst aufgesetzt, zum damaligen Zeitpunkt war mir also WordPress als CMS (Content Management System) schon bekannt.
Seit 2,5 Jahren arbeite ich in Teilzeit für einen durchaus bekannten Gewürze-Onlineshop und habe mich seitdem in die unbekannten Weiten von Navision (nun mittlerweile als Microsoft Dynamics 365 Business Central bezeichnet) vorgewagt und wir haben den Shop letztes Jahr von Shopware 5 auf Shopware 6 umgestellt.
Ich mags, mich durch die Backends solcher Systeme zu wühlen und neue Funktionen, Hacks und Kniffe dort kennenzulernen. Aber auch über die Limitierungen und Grenzen zu fluchen, den Techie zu kontaktieren und Fragen zu stellen, ob dieses oder jenes Problem noch gelöst wird oder ob das systemseitig vielleicht leider gar nicht umsetzbar ist.
Das ist ein absolut wohltuender Ausgleich zum Schreiben, weil in dem Moment nicht in erster Linie meine Kreativität beim Texten gefragt ist, sondern ich die eigene Arbeit online stellen kann und dann live das Ergebnis im Frontend überprüfen kann. Wie schaut es auf der Seite dann aus? Muss ich noch mal nachjustieren an irgendeiner Stelle oder kann das so bleiben?
3. Ich bin als Shoptexterin mit den anderen Fachbereichskollegen permanent in Kontakt
Wer wie ich auf Kundenseite arbeitet und nicht (mehr) in einer Agentur, hat in der Regel als Content-ManagerIn oder Content Creator für Onlineshops wirklich zu so gut wie jedem Kollegen im Marketing Kontakt:
⇨ Ich habe schon unserer Amazon-Verantwortlichen bei der Content-Erstellung oder -Überarbeitung für unseren Amazon-Brandshop geholfen.
⇨ Wenn für ein bestimmtes Newsletter-Thema noch zusätzlicher Content im Magazinbereich benötigt wird, kommen so Tickets wie „Wir haben in 8 Wochen einen Grünkohl-Newsletter, aber noch nicht so viele Rezepte online. Arbeite bitte diese Liste an Grünkohl-Rezepten ab und stell sie online“.
⇨ Mit dem Programmierer oder Developer hat man eh regelmäßigen Kontakt, weil einem oft Kleinigkeiten auf der Webseite auffallen, die aus User-Sicht noch nicht ganz optimal sind. Also erfrage ich mal die Möglichkeiten, ob so etwas technisch überarbeitet oder anderweitig besser gelöst werden könnte.
⇨ Mit den Grafikern und (Produkt-)Fotografen bin ich ebenfalls regelmäßig im Austausch.
⇨ Auch mit den Einkäufern oder dem Kunden-Support stehe ich regelmäßig in Kontakt, sei es, um Einzelheiten für das neue Produkt zu erfragen oder aber um Hilfestellung zu leisten, falls es Kundenanfragen zu meinem Bereich gibt.
Mit den Verantwortlichen für die anderen Content-Bereiche ebenfalls. Die Grenzen sind da fließend.
4. Neue Produkte rein, ältere Produkte raus
Als Shoptexterin wird mir absolut niemals langweilig. Kein Text ist doppelt, es kommen permanent spannende neue Artikel dazu, die wir online bringen müssen. Ältere Produktseiten werden dafür offline genommen, wenn der Artikel ausläuft oder herausgenommen wird aus dem Portfolio. Oder ich überarbeite ältere Texte und setze Vorschläge der SEO-Agentur oder des Inhouse-SEOs um.
Doch nicht nur die Produkttexte werden regelmäßig unter die Lupe genommen. Auch der Magazinbereich befindet sich ja in einem stetigen Wandel.
⇨ Es zeichnet sich ein neuer Social-Media-Hype zum Thema xy ab? Lass uns dazu mal Content produzieren!
⇨ Der neue Jahresplan für die neuen Veranstaltungen und Messestände ist fertig? Stell die neuen Termine doch bitte auf der Seite online.
⇨ Der Lieferant vom einem Rohstoff kann in den nächsten Monaten leider nichts liefern, weil die Weltmarkternte unfassbar schlecht ausgefallen ist? Setz den Artikel dazu bitte offline oder aktiviere eine dementsprechende Passage im Backend, der den Kunden wissen lässt, dass der Artikel auf absehbare Zeit nicht verkauft werden kann.
⇨ Wir haben neue Verpackungen? Schreib bitte einen Newsbeitrag dazu und veröffentliche diesen auf unserer News-Seite.
Sowohl der Markt unserer Produkte als auch die gesamte Onlinewelt entwickeln sich kontinuierlich weiter. Und ein Shop sollte stets aktuell gehalten werden – das ist sogar Pflicht und muss mit größter Sorgfalt nachverfolgt werden.
5. Shoptexte bedeuten permanenten Wissenszuwachs
Die einen sagen unnützes Wissen dazu – ich nenne es stetige Erweiterung des eigenen Horizonts 😊. In diesen +10 Jahren habe ich schon so einiges dazugelernt. Das passiert ganz automatisch. Und damit meine ich nicht nur die neue Technik in Form eines mir noch unbekannten Shopsystems oder eines ERPs, in das ich mich zu Beginn reinarbeiten muss. Auch, aber nicht nur.
Ich rede auch über kleine Wissensinseln, die ich mir zwangsläufig angeeignet habe. Weil das jeweilige Projekt mir bis dato unbekannte Produktwelten oder Themen mit sich bringt, die ich mir erst mal ansehen muss. Wo ich mich reindenken darf. Recherche betreibe zu rechtlichen Themen, die damit einhergehen oder Gesetzen, die beachtet werden müssen. Beispiele gefällig? Here we go – ich schreibe sie dir einfach mal so auf, wie sie mir in den Kopf kommen:
⇨ 6 Jahre Spielzeugtexte. Tausende. Und alles, was damit zusammenhängt und im weitesten Sinne ebenfalls in einem Kinderspielzeug-Onlineshop mitverkauft wird. Auch der weirde Kram wie „Kacka Alarm“ von Mattel Games (japp, denke ich mir nicht aus, das gibt es wirklich). Normale Dinge gabs auch wie Kinderwagen, MCU- und DC-Merch, komplette Babyzimmer-Inneneinrichtungen mit Babybett, Wickelkommode und Schrank – you name it. Ich bekomme immer noch einen Grinsanfall, wenn ich an einer Autobahnraststätte Glubschis sehe: Ah, kenne ich, habe ich mal betextet. Im Zuge dessen habe ich mich mit dem Textilkennzeichnungsgesetz auseinandersetzen müssen und weiß seitdem solche schrägen Sachen wie: Nicki ist keine korrekte Materialbezeichnung, es müssen Faseranteile in Prozent dort stehen. Oder: Auch wenn die beiden Wörter etymologisch verwandt sind, so besteht doch ein Unterschied zwischen „Dessin“ und „Design“. Wer wie ich 20-mal den gleichen Kinderwagen betexten musste, wo die Varianten sich nur im Dessin unterschieden, der merkt sich solche Kleinigkeiten.
⇨ Fast genauso viele Jahre habe ich wöchentlich Schuh-Produkttexte geliefert. Ich habe einen superdetaillierten, bestimmt 20 Seiten umfassenden Wissenskatalog vom Kunden bekommen, in dem ganz genau die Art erklärt wurde, aus welchen Parts sich Schuhe zusammensetzen und wie diese genannt werden. Seitdem weiß ich auch, welche Merkmale zum Beispiel Budapester oder Mary Janes ausmachen.
⇨ In der Gewürzwelt lerne ich immer mehr zu verschiedenen Salzen, dass es sowas wie fermentierten schwarzen Knoblauch gibt und dass Vadouvan eine seltene, indische Gewürzspezialität ist. Dazu kommen die ständigen Formulierungsfallen und Grenzfälle im Lebensmittelbereich, die es textlich in Bezug auf die Health-Claims-Verordnung zu beachten gilt. Hier ist das Ende der Lernkurve auch noch nicht abzusehen, es geht einfach immer weiter. Irgendwie cool.